Macht und Liebe

Macht – ein Wort, das im Deutschen oft schwer wiegt. Es ruft Assoziationen von Kontrolle, Unterdrückung oder Manipulation hervor. Im Englischen klingt „power“ offener, neutraler – es steht auch für Energie, Handlungskraft oder das Potenzial, etwas zu bewirken. Diese Zweideutigkeit sagt womöglich was aus über unser kulturelles Verständnis von Macht und wie es unsere Haltung demgegenüber prägt.

Ob wir es wollen oder nicht – Macht ist allgegenwärtig. Sie durchzieht alle sozialen Gefüge, auch jene, die bewusst versuchen, ohne Machthierarchien auszukommen. Wo Menschen zusammenkommen, entstehen Dynamiken von Einfluss und Entscheidung. In Organisationen, Teams und Gemeinschaften gibt es immer Menschen, die lenken, gestalten und/oder bewahren. Wer diese Strukturen leugnet, läuft Gefahr, unbewusste Machtmechanismen zuzulassen, die oft destruktiver wirken als offen reflektierte Führung.

Deshalb brauchen wir Klarheit und Wissen über das Wesen der Macht. Wie wirkt sie? Wie kann sie konstruktiv gestaltet werden? Welche Rolle spielt sie in unserem eigenen Leben? Hier setzen aktuelle Bücher an, die neue Perspektiven eröffnen. Ich bin gespannt auf das neue Buch von Prof. Dr. Carsten C. Schermuly „Psychologie der Macht“, das demnächst erscheint. Er ist Direktor des Instituts für New Work und Coaching bei der "SRH University of Applied Sciences" in Berlin.

Erkenntnisse über das Thema Macht sind nicht nur für politische oder wirtschaftliche Systeme relevant, sondern für jede Zusammenarbeit – insbesondere dort, wo Hierarchien bewusst flach gehalten werden. In meiner Tätigkeit als Teambegleiterin, Supervisorin und Moderatorin arbeite ich vor allem mit Gruppen, die sich selbst als gleichberechtigt organisieren. Es ist ein hohes Ideal und darf nicht zu Ohn-Macht führen. Es erfordert dazu ein tiefes Bewusstsein für die Dynamiken, die entstehen, wenn Entscheidungen getroffen und Verantwortung verteilt wird. Eva Stützel hat sich in dem Buch „Macht voll verändern“ (2024) vor allem mit solchen nicht-hierarchischen Strukturen und Gemeinschaften beschäftigt.

Ein Buch, das mich nachhaltig inspiriert, erschien bereits in 2010. Adam Kahane beschreibt in „Power and Love: A Theory and Practice of Social Change“ das essenzielle Spannungsfeld zwischen diesen beiden Kräften: Ohne Liebe wird Macht destruktiv, ohne Macht bleibt Liebe wirkungslos. Leider wurden dieses und auch die anderen sehr inspirierenden Bücher dieses Autors bis jetzt nicht ins Deutsche übersetzt. Seine Ausführungen wurzeln in seiner Beratungsexpertise in herausfordernden Situationen.

In der aktuellen Austauschgruppe „Spiritualität und Politik“ gehen wir der Frage nach: Wie kann eine spirituelle Haltung helfen, mit Macht reflektiert umzugehen? In einer Zeit, in der Misstrauen gegenüber Autorität wächst, aber gleichzeitig klare Ausrichtung und Handlungsfähigkeit dringend benötigt werden, kann eine bewusste Verbindung von innerer Integrität und verantwortungsvoller Macht ein Schlüssel sein.

Macht ist eine Kraft, die gelenkt werden will. Ob in der Gesellschaft, in Organisationen oder im persönlichen Leben – sie fordert uns heraus, unser eigenes Verhältnis zu ihr zu hinterfragen. Wo übe ich Macht aus? Wo lehne ich sie ab, obwohl ich sie vielleicht nutzen könnte, um Gutes zu bewirken? Und wie finde ich inmitten dieser Kräfte mein eigenes Gleichgewicht?

Mir scheint es in der momentanen Situation wichtig, Macht als Gestaltungskraft zu sehen und dabei darauf zu achten, dass die Verbindung mit humanen Werten nicht auf der Strecke bleibt. Ein Handeln aus innerer Stille, Liebe und Verantwortung.

Über den Umgang mit Klima-Angst

Steffi Bednarek, Direktorin des Centre for Climate Psychology, teilte heute (13. Januar 2025) auf Linkedin wertvolle Gesichtspunkte, wie wir Kindern in Zeiten von Klimaangst und globalen Krisen Halt geben können. Angesichts wachsender Ängste, wie sie eine 11-Jährige nach den Nachrichten über die Waldbrände in LA äußerte, ist es entscheidend, Raum für ihre Sorgen zu schaffen. Statt schnelle Lösungen zu suchen, sollten wir auf Verbindung setzen.

Zusammenfassend ihre 5 Hinweise für den Umgang mit Klimaangst bei Kindern. Aber auch unter Erwachsenen scheinen mir diese Haltung und diese Umgangsformen sehr relevant:

1. Validieren: Gefühle benennen und anerkennen hilft, Ängste zu beruhigen.
2. Ängste anerkennen: Ehrlich sein, statt mit Floskeln wie „Alles wird gut“ abzulenken.
3. Gemeinsame Werte betonen: Zum Beispiel über Gerechtigkeit und Naturschutz sprechen, um Orientierung zu geben.
4. Stabilität schaffen: Beziehungen können ein Anker in chaotischen Zeiten sein.
5. Resilienz vorleben: Offen mit eigenen Unsicherheiten umgehen und zeigen, dass Hoffnung dennoch bestehen bleibt.

Im Fokus steht die menschliche Verbindung. Kinder brauchen keine perfekten Antworten, sondern das Gefühl, sicher und gehört zu sein. So fördern wir psychologische und spirituelle Resilienz für eine unsichere Zukunft.

Die Bedeutung spiritueller Praxis für Resilienz – von individuell bis global

Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist die Bedeutung spiritueller Praxis für Resilienz. Während ich an meinem Buch arbeite, das sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt, möchte ich einige Gedanken und Erkenntnisse mit euch teilen. Mein Buch untersucht, wie religiöse und spirituelle Praktiken nicht nur die individuelle Resilienz fördern, sondern auch Teams, Organisationen, Gesellschaften und sogar die globale Gemeinschaft in ihrer Widerstandsfähigkeit stärken können. Heute möchte ich mich jedoch auf den Aspekt der individuellen Resilienz konzentrieren.

In unserer schnelllebigen und oft stressigen Welt ist Resilienz – die Fähigkeit, mit Herausforderungen und Rückschlägen umzugehen – wichtiger denn je. Eine der kraftvollsten Ressourcen, die uns dabei unterstützen kann, ist die spirituelle Praxis. Durch meine Recherchen und langjährige persönliche Erfahrung habe ich festgestellt, dass spirituelle Praktiken wie Meditation, Achtsamkeit und Gebet nicht nur unser Wohlbefinden und die innere Ruhe fördern, sondern auch unsere innere Stärke und Widerstandskraft erheblich steigern können. Ich bin erstaunt, wie viele wissenschaftliche Studien inzwischen die positiven Effekte dieser Praktiken belegen.

Religiöse und spirituelle Traditionen haben seit Jahrtausenden Wege aufgezeigt, wie wir unsere Gedanken beobachten, kontrollieren und transformieren können, um innere Gelassenheit zu entwickeln. Diese Praktiken bieten wertvolle Werkzeuge, um negative Denkmuster zu erkennen und durch positive, konstruktive Gedanken zu ersetzen. So können wir nicht nur unseren Alltag besser bewältigen, sondern auch in Krisenzeiten stabil und zentriert bleiben.

In der heutigen Zeit gibt es eine Vielzahl spiritueller Ansätze, die uns dabei unterstützen können, unsere Resilienz zu stärken. Moderne Lehrer:innen und Mentor:innen haben traditionelle Weisheitslehren mit zeitgenössischen Erkenntnissen verbunden, um praktische Methoden zur Förderung innerer Stärke zu entwickeln. Ken Wilber beispielsweise hat mit seiner integralen Theorie einen ganzheitlichen Ansatz geschaffen, der verschiedene Aspekte menschlicher Entwicklung einbezieht. Byron Katie's "The Work" bietet eine kraftvolle Methode zur Überprüfung stressvoller Gedanken, während Thich Nhat Hanhs Lehren zur Achtsamkeit uns helfen, im gegenwärtigen Moment verankert zu bleiben. Diese und viele andere Ansätze zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, spirituelle Praktiken in unser Leben zu integrieren und dadurch unsere Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.

Während ich an meinem Buch arbeite, habe ich auch ein 8-monatiges Gruppencoaching-Programm „Präsent & Gestärkt“ entwickelt, das im September startet. Dieses Programm ist darauf ausgelegt, die Teilnehmenden in ihrer spirituellen Praxis zu unterstützen, anhand von kleinen Alltagsübungen ihre Resilienz zu stärken und die innere Zufriedenheit wachsen zu lassen. Das Angebot ist darauf ausgelegt, auf die individuellen Bedürfnisse und Entwicklungsstände der Teilnehmenden einzugehen. Meine Erfahrung im Bereich spiritueller Begleitung und persönlicher Entwicklung garantieren eine fundierte und effektive Unterstützung. Zudem bietet die kleine Teilnehmerzahl eine unterstützende Gemeinschaft, die tiefere und persönlichere Interaktionen ermöglicht.

In der heutigen Zeit, die von globalen Herausforderungen, rasantem Wandel und zunehmender Unsicherheit geprägt ist, wird es immer wichtiger, unsere Resilienz auf allen Ebenen zu stärken - individuell, in Organisationen und in der Gesellschaft als Ganzes. Spirituelle Praktiken bieten uns wertvolle Werkzeuge, um diese Widerstandsfähigkeit zu entwickeln und zu pflegen. Ich freue mich auf eure Gedanken und Rückmeldungen zu diesem Thema und hoffe, dass wir Wege finden, unsere Resilienz zu stärken und ein erfülltes Leben zu führen - nicht nur für uns selbst, sondern auch zum Wohle unserer Gemeinschaften und der Welt, in der wir leben.

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